Dramatische Erkenntnis: Das erlebte ein Undercover-Reporter in 35 Flüchtlingsheimen

Dramatische Erkenntnis: Das erlebte ein Undercover-Reporter in 35 Flüchtlingsheimen

Shams ul-Haq wurde in Pakistan geboren. Als unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber kam er vor 26 Jahren nach Deutschland. Heute hat der 41-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft. Als freischaffender Journalist hat ul-Haq Monate undercover in insgesamt 35 Flüchtlingsunterkünften in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelebt – um zu verstehen, was die Menschen nach ihrer Flucht erleben.

Insgesamt zehn unterschiedliche Identitäten nahm er während seiner Recherche an. Meist blieb er eine Woche in einem Lager, bevor er sich wieder absetzte. Aufgrund der praktisch fehlenden Vernetzung der einzelnen Erstaufnahmelager flog ul-Hag nicht auf. Er selbst sagt: „Eine Überprüfung meiner Personalien bleibt somit unmöglich. Ich musste lediglich darauf achten, immer einen anderen Namen und Geburtsort anzugeben. So steht dann im Lager in Dresden ein Hamid Mustafa aus dem Irak und in Berlin ein Jamal Ramiri aus Indien und bittet völlig verunsichert um Asyl. Letztlich bleibt es ein Kinderspiel für Flüchtlinge, unter falschen Angaben in Deutschland Unterschlupf zu finden, so lautet die traurige Wahrheit.“

Seine Erfahrungen schrieb der gebürtige Pakistani in seinem Buch „Brutstätte des Terrors“ nieder. Dem scharfen Titel folgt ein ähnlich schockierendes Resümee ul-Haqs. Im Interview mit der „Berliner Morgenpost“ sagt er über das Leben in deutschen Heimen: „Die Flüchtlingsunterkünfte sind ein Nährboden für Salafisten und Terroristen. Manchmal heißt es ja, dass Deutschland Terroristen importieren würde. Tatsächlich aber züchten wir sie selbst heran.“

„Wie ein Schweinestall“: Unzumutbare Lebensbedingungen in Heimen

Das liege vor allem an den unzumutbaren Zuständen in Flüchtlingsunterkünften wie beispielsweise in den Hangars in Berlin-Tempelhof. Dort sollen die miserablen sanitären Bedingungen den Menschen zusetzen. Die Dixi-Klos stinken laut dem Autor „wie ein Schweinestall“. Auch zu sexuellen Misshandlungen unter den Bewohnern ist es laut dem 41-Jährigen gekommen. Doch vor allem die fehlende Beschäftigung sowie die lange Dauer der Asylverfahren, die Flüchtlinge in die Hände von radikal-islamischen Fundamentalisten treibt.

In seinem Buch beschreibt ul-Haq ausführlich, wie die Radikalen versuchen, die unterforderten Flüchtlinge in Heimen zu radikalisieren: „Anwerbungen fundamentalistischer Islamisten erfolgen in Flüchtlingslagern in erster Linie über zwei Wege: Über das schlechte Essen und über die ebenso häufig fehlenden Möglichkeiten, sich ungestört seinen religiösen Praktiken zu widmen.“

Der dahinterliegende Mechanismus ist offenbar perfide: Laut dem Undercover-Journalisten machen radikal-islamische Männer ihren muslimischen Opfern weis, dass Deutschland versucht, sie durch fehlende Gebetsräume und nicht islamkonforme Speisen in den Unterkünften ihrer Religion zu berauben.

Islamisten streuen in Flüchtlingsunterkünften ihre Propaganda

Ul-Haq schreibt: „Sie erzählen den Flüchtlingen in den Heimen, (…) dass die Menschen in diesem Land alle Flüchtlinge zum Christentum konvertieren möchten. Aus diesem Grund verweigern sie ihnen die Möglichkeit zum Gebet, indem sie ganz einfach keine Gebetsräume zur Verfügung stellen.“ Für viele Flüchtlinge sei Beten in ungestörter Umgebung aber essentiell: „Sie klammern sich mit ihrer gesamten Angst und Unsicherheit an Gott und hoffen inständig, er gibt Ihnen den Halt, den sie so dringend benötigen“, so der Journalist.

2016 versuchte Shams Ul-Haq (links) erstmals, sich unter falschen Namen in deutschen Flüchtlingsunterkünften anzumelden. Eigentlich sollte das mittlerweile nicht mehr funktionieren - aber bei einem Selbsttest flog Ul-Haq erst in der fünften Unterkunft auf.

Shams Ul-Haq In den Unterkünften konnte Shams Ul-Haq (links) schnell Kontakt zu Flüchtlingen und Personal knüpfen.

Ähnlich funktioniert die Taktik bei Nahrung, die nicht „halal“ zubereitet worden ist und deshalb von gläubige Muslimen nicht gegessen werden kann: Islamisten suggerieren ihren Opfern, hinter diesem Nahrungsangebot stecke ein perfider Plan gegen Muslime in Deutschland. „Die Christen, so behaupten diese Fundamentalisten, planen alle Muslime in den Flüchtlingscamps mürbe zu machen, um sie dann zum christlichen Glauben zu konvertieren. Dabei gehen diese Extremisten ausgesprochen subtil vor“, schreibt ul-Haq in seinem Buch.

Die Folge: Jedes Mal, wenn die Angeworbenen hungrig die Essensausgabe verlassen oder ihr Gebet in lauter Umgebung nicht durchführen können, denken sie an die manipulierenden Worte der Fundamentalisten.

Salafisten bieten sich Hilfsorganisationen an

Ul-Haq räumt in seinem Buch zugleich ein, dass es auch Menschen gibt, die mit dem Flüchtlingsstrom nach Deutschland gekommen sind und schon zuvor radikal waren. Zudem werde nicht nur innerhalb der Heime angeworben: „Es gibt Anwerbeversuche von Salafisten. Sie rasieren sich den Bart ab und dienen sich Hilfsorganisationen an. Das habe ich selbst mitbekommen. Dann sprechen sie mit den Flüchtlingen, laden sie zum Essen ein und nehmen sie mit in eine Moschee, die von Salafisten geprägt ist“, erklärt der 41-Jährige im Interview. Als Beispiel nennt er die Al-Nur-Moschee in Neukölln.

Entsprechend seines radikalen Resümees, Deutschland züchte sich Islamisten selbst heran, stellt der freischaffende Journalist in seinem Buch auch eine Forderung an die Politik. Sie müsse etwas gegen die „teilweise grauenhaften Zustände“ in den Heimen unternehmen – ansonsten „stellen Ausschreitungen unter den Flüchtlingen das wohl geringste Sicherheitsproblem in Deutschland und Europa dar.“

Anmerkung der Redaktion: Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten Berlin (LAF) teilte FOCUS Online hinsichtlich der von Shams ul-Haq aufgestellten Behauptungen folgendes mit:

  • Unzumutbare Toiletten – LAF Berlin: “Diese Behauptung ist falsch. Den Bewohnerinnen und Bewohnern stehen in den als Notunterkunft genutzten Hangars 153 Duschen und 149 Toiletten zur Verfügung. Diese sanitären Einrichtungen sind dauerhaft und als ‘Inhouse-Lösung’ installiert. Die Dusch- und WC-Kabinen sind abschließbar und vollständig gekachelt. Sie werden den ganzen Tag über von Reinigungspersonal gereinigt und sind jederzeit in einem guten und sauberen Zustand.”
  • Sexuelle Misshandlungen unter den Flüchtlingen – LAF Berlin: ” Auch das ist falsch. Entsprechende Zahlen über Übergriffe liegen der Polizei Berlin nicht vor. Es gab in den vergangenen 6 Monaten zwei Verdachtsfälle in der Notunterkunft Tempelhof, die sich aber nicht erhärtet haben. Die Notunterkunft in den Hangars ist ein offener Ort, die Wohnwaben sind nach oben hin offen. In sämtlichen Hangars gibt es 24 Stunden eine große Zahl von eingesetztem Wachpersonal. Es handelt sich also um einen sozialräumlich sehr transparenten Ort, bei dem die Gefahr von sexuellen Übergriffen deutlich geringer ist als in abgeschlossenen Wohnräumen.”
  • Fingerabdrücke / fehlende Vernetzung der Erstaufnahmelager – LAF Berlin: “Diese Behauptung ist nicht richtig. Seit Februar 2016 arbeitet das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten LAF (früher LAGeSo) mit den PIK-Stationen der Bundesdruckerei. Diese ermöglichen die Erfassung digitaler Fingerabdrücke (rechte und linke Hand sowie abgerollte Finger), das Erstellen biometrischer Fotos und eines digitalen Scans von Ausweispapieren (Dokumentenscanner). Die Daten werden bei der Registrierung von Polizeibeamten des Landes Berlins elektronisch mit den polizeilichen Datenbanken des Bundes abgeglichen. Doppelregistrierungen oder die Einreise mit gefälschten Papieren (nachträgliche persönliche Prüfung von geschulten Mitarbeitern ist gegeben) sind im Land Berlin im Rahmen dieses Registrierungsprozesses kaum mehr möglich.”
  • Keine Gebetsräume – LAF Berlin: ” Das Bereitstellen von Gebetsräumen in Unterkünften ist mit Sicherheit kein Allheilmittel gegen salafistische Anwerbeversuche. In der Notunterkunft Tempelhof gibt es Ruheräume, in denen Gläubige ihre Gebete verrichten können. Überdies bestehen Kontakte der Unterkunft zu zwei Moscheen in der unmittelbaren Nachbarschaft, die mit Salafismus in keiner Weise in Verbindung zu bringen sind.”