DIE WELT „Wenn nichts passiert, wird es hier richtig funken“

Shams ul-Haq ist selbst mit Schleusern nach Deutschland gekommen. Jetzt bemüht er sich, in einem Offenbacher Asylheim zwischen den Kulturen zu vermitteln. Dort machen gefährliche Gerüchte die Runde.

Als Shams ul-Haq ein Teenager von 16, 17 Jahren war, hat ihn bei der Tante im Westerwald immer mal wieder die Polizei abgeholt oder heimgebracht. Die Nachbarn wurden schon langsam argwöhnisch. Damals, Anfang der 90er-Jahre, hätten viele Deutsche einen pakistanischen Zuwanderer automatisch für einen potenziellen Verbrecher gehalten, sagt Haq heute. Doch Haq war kein Dauerkunde bei der örtlichen Wache, sondern im Gegenteil eine Art Freund und Helfer der Polizei.

Der Sohn eines bitterarmen Straßenverkäufers aus der Nähe von Lahore war 1990 als 15-Jähriger mit einer Schleuserbande heimlich nach Deutschland gekommen. In Bad Marienberg hatten ihn und die beiden mitgereisten Cousins schließlich Verwandte aufgenommen, die schon zuvor aus Pakistan geflüchtet waren. Haq sprach also neben Urdu, der Nationalsprache in Pakistan und Teilen von Indien, nicht nur leidlich Paschtu und Farsi. Er konnte auch bald recht gut Deutsch. Deshalb holte ihn die Polizei immer wieder mal bei Befragungen als Übersetzer dazu, wenn kein anderer Dolmetscher greifbar war. „Ehrenamtlich“, sagt Haq, nie habe er Geld verlangt dafür.

Noch heute, ein Vierteljahrhundert nach seiner Flucht aus Pakistan, will Haq ein Vermittler zwischen den Welten und Kulturen sein. Und das sei gerade so nötig wie nie, sagt er. Auch wenn er sich selbst voll integriert fühlt: Er erinnere sich noch gut daran, was es für ein Gefühl ist, auf der Flucht zu sein, Angst vor der Zukunft zu haben, überwältigt zu sein von der völlig fremden Umgebung, dem ungewohnten Essen, dem Schlafen mit Dutzenden fremder Menschen in einem Raum, der deutschen Bürokratie. Und er beobachtet, dass sehr bald die Spannungen wachsen, wenn Probleme auftauchen und nicht gelöst werden.

In der Einrichtung in Offenbach brodelt es

Wenn das Essen als ungenießbar empfunden wird und Gebetsräume fehlen, wenn die Leute sich langweilen und mit Alkohol trösten, wenn Gerüchte und Vorurteile die Runde machen, von denen Sozialarbeiter in den Einrichtungen fast nichts mitbekommen, dann drohen Unruhen oder gar Schlägereien. „Ich mache mir wirklich Sorgen“, sagt Haq.

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Lesetipp Buch von Shams UL-Haq

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